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Kanal per Rohrkamera prüfen: Welche Schritte entscheidend sind, bevor Sie handeln

Thomas

Eine Kanalinspektion mit Kamera schafft Klarheit, bevor aus einem kleinen Problem ein teurer Schaden wird. Wenn Sie wissen, wie der Termin abläuft und welche Unterlagen und Zugänge wichtig sind, sparen Sie Zeit, Geld und vermeiden unnötige Baustellen.

1. Ziele klären: Was die Rohrkamera beantworten soll

Bevor eine Rohrkamera in den Kanal geht, lohnt sich eine kurze Zieldefinition. Denn je nach Fragestellung ändern sich Vorgehen, benötigte Technik (z. B. Schwenkkopf, Ortungssonde) und die Tiefe der Dokumentation. Typische Auslöser sind wiederkehrende Rückstau-Situationen, unklare Gerüche, Feuchtigkeit an der Bodenplatte oder ein Verdacht auf Undichtigkeiten im Grundstücksentwässerungssystem.

Besonders hilfreich ist die Untersuchung, wenn Sie ein Wasserleck orten lassen möchten, aber nicht sicher sind, ob die Ursache im Kanal, in einer Anschlussleitung oder an einer Muffe liegt. Die Kamera ersetzt zwar nicht jede Leckageortung, liefert aber oft den entscheidenden Kontext: Wo verläuft die Leitung, wo sind Auffälligkeiten, und gibt es Schäden, die das Problem erklären?

  • Sollen Schäden lokalisiert oder nur der Zustand dokumentiert werden (z. B. vor einer Sanierung oder einem Hauskauf)?
  • Geht es um wiederkehrende Verstopfungen (Wurzeln, Versätze, Ablagerungen) oder um Dichtheit und Fremdwasser?
  • Benötigen Sie einen Bericht mit Video/Standbildern als Nachweis für Versicherung, Verwaltung oder Sanierungsplanung?

2. Vorbereitung vor dem Termin: Zugang, Sauberkeit, Informationen

Damit die Kanal-TV-Untersuchung aussagekräftig wird, muss die Kamera freie Sicht haben. In der Praxis bedeutet das: Zugänge müssen erreichbar sein, und die Leitung sollte bei Bedarf vorgereinigt werden. Viele Betriebe kombinieren die Inspektion deshalb mit einer Rohrreinigung, um Ablagerungen zu entfernen und Schäden nicht zu „überfilmen“.

Diese Punkte helfen Ihnen, den Termin reibungslos vorzubereiten:

  • Revisionsschächte, Bodenabläufe oder Kontrollöffnungen freiräumen (Keller, Hof, Garten).
  • Falls vorhanden: Pläne der Grundstücksentwässerung, alte Prüfberichte oder Sanierungsunterlagen bereitlegen.
  • Nutzung abstimmen: Während der Befahrung sollten größere Wassermengen (Duschen/Waschmaschine) möglichst vermieden werden, damit das Bild stabil bleibt.
  • Wasserleck orten: Notieren Sie, wann und wo Feuchtigkeit auftritt (Wetter, Tageszeit, Verbrauch). Diese Hinweise verbessern die Interpretation der Kamerabilder.

Wenn Sie in einem Mehrfamilienhaus wohnen, ist zusätzlich wichtig, wer Zutritt zu Technikräumen oder Schächten ermöglicht. Bei Gewerbeobjekten können Betriebszeiten und Sicherheitsregeln (z. B. Einweisung, Begleitung) eine Rolle spielen.

3. Vor-Ort-Ablauf: Befahrung, Ortung, Protokoll

Am Termin startet das Team meist mit einer kurzen Sichtprüfung der Zugänge: Ist der Schacht sicher begehbar, gibt es stehendes Wasser, und welche Einführstelle ist am sinnvollsten? Anschließend wird die Kamera (Schubkamera oder Fahrwagen, je nach Dimension) eingeführt. Moderne Systeme blenden Meterzählung und Uhrzeit ein, sodass Auffälligkeiten exakt zugeordnet werden können.

Während der Befahrung werden typische Schadensbilder dokumentiert, zum Beispiel:

  • Wurzeleinwuchs, der zu wiederkehrenden Blockaden führt
  • Risse, Scherbenbildung oder Korrosion
  • Versätze an Muffen, eingedrückte Bereiche oder Unterspülungen
  • Ablagerungen, Fett- und Kalkaufbau oder Fremdkörper
  • Falsch angeschlossene Leitungen oder unklare Abzweige

Oft kommt zusätzlich eine Ortungssonde zum Einsatz. Damit lässt sich der Leitungsverlauf an der Oberfläche nachvollziehen und die Position eines Schadens punktgenau markieren. Das ist besonders wertvoll, wenn später punktuell geöffnet werden soll – oder wenn ein Team im Zuge der Ursachenanalyse ein Wasserleck orten muss, ohne großflächig Böden oder Wände zu öffnen.

Am Ende erhalten Sie je nach Vereinbarung ein Video, Standbilder und ein Zustandsprotokoll. Achten Sie darauf, dass nicht nur „auffällig/unauffällig“ vermerkt ist, sondern konkrete Angaben zu Lage (Meterangabe), Schadensart und – wenn möglich – Dringlichkeit. So wird aus Bildern eine belastbare Entscheidungsgrundlage.

4. Aus den Befunden die richtigen Maßnahmen ableiten

Der größte Nutzen entsteht, wenn Sie die Ergebnisse in klare nächste Schritte übersetzen. Nicht jeder sichtbare Makel ist sofort sanierungspflichtig – aber manche Schäden sollten kurzfristig behoben werden, bevor sie Folgekosten auslösen (z. B. wiederkehrender Rückstau, Ausspülungen, Setzungen).

Bewährte Vorgehensweise nach der Auswertung:

  • Priorisieren: Was ist akut (z. B. Rohrbruch/Einbruchgefahr), was mittelfristig (z. B. Wurzeln), was kann beobachtet werden?
  • Sanierungsoption wählen: Punktuelle Reparatur, partielle Inlinersanierung oder komplette Erneuerung – abhängig von Schadensbild, Material und Zugänglichkeit.
  • Schnittstellen klären: Wer übernimmt Kanalservice, Tiefbau, Inneninstallation, Dokumentation und ggf. Dichtheitsnachweise?
  • Folgetermin planen: Nach einer Reinigung oder Sanierung kann eine erneute Kamerafahrt als Qualitätskontrolle sinnvoll sein.

Wenn Feuchtigkeit im Gebäude ein Thema ist, sollten Sie die Kamerabilder immer zusammen mit weiteren Indizien bewerten (Verbrauch, Druckverlust, Thermografie, Akustik). In vielen Fällen ergänzt die Kanalinspektion diese Verfahren ideal – gerade dann, wenn Sie ein Wasserleck orten wollen und zunächst ausschließen müssen, dass die Grundstücksentwässerung die Ursache ist.

Fragen und Antworten

Wie lange dauert eine Kamerainspektion im Kanal?
Je nach Leitungsnetz und Zugänglichkeit häufig 30 bis 120 Minuten. Bei verzweigten Anlagen oder zusätzlicher Ortung kann es länger dauern.
Muss vorher immer gereinigt werden?
Nicht zwingend, aber oft sinnvoll. Ablagerungen können Schäden verdecken oder Fehlinterpretationen begünstigen. Eine kurze Hochdruckreinigung erhöht die Bildqualität deutlich.
Kann eine Kamera helfen, ein Wasserleck orten zu können?
Sie kann Hinweise liefern, wenn Undichtigkeiten, Risse oder Fehlstellen sichtbar sind und sich deren Lage orten lässt. Für eine eindeutige Leckagebestätigung werden jedoch je nach Fall zusätzliche Messverfahren eingesetzt.
Was sollte in einem guten Protokoll enthalten sein?
Mindestens Meterangaben, Schadensart, Fotos/Standbilder und eine nachvollziehbare Bewertung. Ideal sind Empfehlungen, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge sinnvoll sind.

Fazit: Mit guter Vorbereitung und einer sauberen Dokumentation wird die Kanalbefahrung per Kamera zum verlässlichen Kompass für Reparatur, Sanierung und langfristige Betriebssicherheit.

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Kommentare

SchachtFlüsterer

"@Ralf G. unterschreib ich, und ich ergänze mal aus der Praxis: Wenn man ohne Zieldefinition startet, bekommt man oft genau das Ergebnis, das keiner braucht – ein Video, aber keine Entscheidung. Ich finde den Punkt mit Ortungssonde extrem wichtig, weil „da irgendwo im Garten“ als Schadensort halt niemandem hilft, wenn später punktuell geöffnet werden soll. Und bitte lasst euch nicht mit „auffällig/unauffällig“ abspeisen: Meterangaben, Schadensart, Fotos und eine Einschätzung zur Dringlichkeit gehören da rein, sonst ist das fürs Thema Versicherung/Verwaltung nur Theater. Bei uns war der Klassiker: wiederkehrende Verstopfung, am Ende Wurzeleinwuchs + Versatz an einer Muffe, und ohne Vorreinigung hätte man’s vermutlich überfilmt. Wer das Thema Wasserleck orten will, sollte mMn wirklich parallel die anderen Indizien sammeln (wann feucht, Wetter, Verbrauch), sonst interpretiert man in die Kamerabilder schnell zu viel rein. Und ja, kostet alles, aber ein Rohrbruch/Einbruchgefahr ist teurer. Lieber einmal sauber dokumentieren und priorisieren als drei Mal auf Verdacht aufstemmen."

Ralf G.

"Guter Überblick. Eine Frage: Wenn die Leitung „nur“ leichte Ablagerungen hat, reicht dann eine kurze Hochdruckreinigung vorher, oder macht das bei der Kameraauswertung manchmal sogar mehr kaputt als es nutzt (z. B. wenn dadurch irgendwas erst verrutscht)?"

Heinz

"Danke!"

Maren1992

"Ich hätte so einen Termin echt früher machen sollen… Bei uns gab’s erst so einen komischen Geruch im Keller und dann immer wieder Rückstau, aber man schiebt’s ja weg. Der Hinweis mit „während der Befahrung keine großen Wassermengen“ war Gold wert – Waschmaschine aus, duschen später, Bild war wohl viel stabiler. Was mich noch nervt: Mehrfamilienhaus = erst mal klären, wer überhaupt den Schlüssel zum Technikraum hat 🙄. Bin gespannt, ob am Ende was an der Muffe/Versatz ist oder „nur“ Wurzeln/Ablagerungen."

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